Tarif

Teilzeit- und Befristungsgesetz neu regeln

Teilzeit- und Befristungsgesetz neu regeln

Plakat v Höchstens 2,5 % der Belegschaft befristen

Frankfurt, 26.April 2021. „Wir gehen von über 6.000 befristet Beschäftigten allein beim Branchenprimus Deutsche Post AG in Hessen aus. Dies ist mehr als ein Drittel aller im Produktivbereich eingesetzten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, so Andreas Jung, Fachbereichsleiter Postdienste, Speditionen und Logistik bei ver.di-Hessen. „Die Problematiken liegen auf der Hand“, ergänzt Gewerkschaftssekretär Martin Becker: „Nachteile bei Wohnungssuche, Autokauf oder Kreditaufnahme, aber vor allem eine unsichere Lebenssituation, die mit Existenzängsten spielt und Menschen ausnutzt. Viele der befristet Beschäftigten berichten uns, dass sie unter keinen Umständen negativ auffallen wollen, auch wenn das dann eben bedeutet, unbezahlt länger zu arbeiten oder gar krank zur Arbeit zu gehen“. Denn die Arbeitsplätze selbst sind unbefristet, es gibt überwiegend keinerlei sachlichen Grund für befristete Arbeitsverträge. Diese Situation ist bei vielen Unternehmen in der Logistikbranche zu beobachten.

Der Arbeitskreis (un)befristet des Fachbereichs Postdienste, Speditionen und Logistik der Gewerkschaft ver.di in Hessen spricht sich für die Neuregelung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes aus. Gerade in der vertretenen Branche werde das gesetzlich erlaubte Instrument der sogenannten sachgrundlosen befristeten Beschäftigung seit Jahrzehnten zu Lasten der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgereizt.

Dazu komme, dass Beschäftigte in Teilzeit weitaus häufiger von befristeten Arbeitsverträgen betroffen seien, in der Mehrzahl sind es Frauen. „Es findet also nicht nur die Ausnutzung der Beschäftigten statt, sondern dazu noch eine indirekte Geschlechterdiskriminierung“ so Andreas Jung weiter.

Die Bündelung der gesellschaftlichen Kräfte zur Änderung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes ist im Fokus von ver.di. „Wir fordern die Regierungsparteien auf, ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einzuhalten, so wie es Bundesarbeitsminister Hubertus Heil derzeit auch forciert“, so Jung. Eine Quotierung der sachgrundlosen Befristungen für größere Betriebe auf zunächst 2,5 Prozent sei ein erster Schritt, am Ende sollen nach Auffassung der Gewerkschaft ver.di solche Arbeitsverträge nicht mehr erlaubt sein. Jung: „Beschäftigung mit unbefristeten Arbeitsverträgen auf unbefristeten Arbeitsplätzen ist Forderung und Konsequenz.“
Hierzu werden in der laufenden Woche betriebliche Aktionen stattfinden.